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Diethelm OTTO Triemer Der Güstrower Diethelm "Otto" Triemer - mit 46 Meistertiteln erfolgreichster Bahnsportler der DDR Güstrow Eine kleine Ecke nur ist im Bikertreff Güstrow reserviert für Trophäen. Aber die haben es in sich: Goldhelme, Silberne Stahlschuhe, etliche Pokale und Meisterplaketten ohne Ende. Kein Zweifel: Hier arbeitet Diethelm Triemer, der erfolgreichste DDR-Bahnsportler aller Zeiten. "Ich habe alles gewonnen, was es zu gewinnen gibt", sagt Triemer, um die Aufzählung seiner Erfolge nicht zu einer abendfüllenden Veranstaltung werden zu lassen. Dabei klingt er weder überheblich noch arrogant, sondern einfach nur selbstbewußt. Dreizehn Jahre war er im Bahnsport aktiv, 46 Meistertitel hat er sich in den verschiedensten Disziplinen gesichert - in der Einzelwertung, als Paarfahrer und mit der Mannschaft, beim Speedway oder auf der Sandbahn. Eins allerdings blieb ihm verwehrt: ein großer internationaler Erfolg. "Ich wäre gerne einmal bei einer Welt- oder Europameisterschaft gestartet, aber das war für uns damals völlig indiskutabel", trauert Triemer der verpaßten Gelegenheit nach. "Schon ein Start in Pardubice war ziemlich kritisch, weil da zu viele Westfahrer am Start waren. Kontakte mit denen waren nach der politischen Anerkennung der DDR im Jahre 1972 unerwünscht und wurden argwöhnisch beäugt." Die Bahnfahrer wurden ohnehin stiefmütterlich behandelt, meint Triemer. Schließlich war ihr Sport nicht olympisch, Erfolge ließen sich nicht politisch ausschlachten. Dennoch konnte und wollte Diethelm Triemer nicht von seiner großen Leidenschaft lassen, die im Jahre 1975 begonnen hatte. Erst mit 20 vom Trial zum Bahnsport Damals hatte der gerade 20jährige dem Trialsport adé gesagt, obwohl er schon dort recht erfolgreich gefahren war. Aber bei diesem Geschicklichkeitsfahren über Hindernisse und holprige Strecken fehlte ihm der richtige Kick. Den fand Triemer in Lübbenau. "Das war für den Berliner Raum, in dem ich damals gelebt habe, die absolute Hochburg in der Jugendarbeit, mit Dietmar Lieschke als großem Magneten für den Nachwuchs." Mit Lieschke feierte der Neuling schon bald die ersten Erfolge, gemeinsam schafften sie für Lübbenau den Aufstieg in die 1. Liga. "Mit Dietmar verband mich eine gute Freundschaft, aber auf der Bahn herrschte gesunde Konkurrenz, mit der wir uns - schon im Training - gegenseitig nach vorne getrieben haben." Für Triemer der wichtigste Grund, warum beide so erfolgreich sein konnten. Diese Freundschaft hat sich allerdings inzwischen "verlaufen", bedingt durch Triemers Umzug nach Güstrow. "Man sieht sich heute noch mal ab und zu bei einem Rennen, und dann unterhalten wir uns ganz angeregt. Aber mehr Kontakt gibt es nicht mehr", sagt Triemer mit leichtem Bedauern.

Der Umzug mit Hindernissen
Wohnungstausch und eine Stelle in Aussicht. Aber dann stellte mein Tauschpartner einen Ausreiseantrag, damit kam er für meine Betriebswohnung in Lübbenau nicht mehr in Frage und der geplante Tausch war hinfällig", schildert Diethelm Triemer. Dann war zwar eine Stelle beim Erdölbetrieb in Grimmen frei, dort hatte man aber keinerlei Interesse am Motorsport. Als Triemer von seinem Bahnsport-Engagement erzählte, war die Stelle urplötzlich belegt. "Papa" Fritz Suhrbier mußte es also richten. Suhrbier, seinerzeit Trainer, heute Ehrenvorsitzender, immer aber der starke Mann im Hintergrund beim MC Güstrow, machte das Unmögliche möglich: Er besorgte binnen kürzester Frist eine Arbeitsstelle beim Landmaschinenbau und eine Wohnung. Der erfolgreichen Verbindung Triemer - MC Güstrow stand nun nichts mehr im Wege. Kurz nach dem Wohnortwechsel holte Triemer seinen ersten Titel auf der Speedway-Bahn und verteidigte diesen Titel gleich sechsmal in Folge. Nur mit dem Teterower Bergring konnte sich der Schrägfahrer nie so recht anfreunden - obwohl er sich bei seinen drei Starts von seiner besten Seite zeigte. Zwei Goldhelme und einen Bergringpokal holte Triemer dort, dann sagte er Europas schönster Grasbahn "Adé". "Es gab mehrere Gründe dafür", erinnert er sich. "Zum einen braucht man nur für diese Bahn ein spezielles Motorrad, das man für nichts anderes gebrauchen kann - wegen der Rechtskurven und der Sprünge. Zum anderen kann man nicht überall gleichgut sein, und ich wollte mich in erster Linie auf Speedway konzentrieren." Schon in dieser Zeit - Anfang der achtziger Jahre - baute sich Diethelm Triemer allmählich das auf, wovon er heute lebt. 1983 erwarb er ein Grundstück am Ortsrand von Güstrow, heute steht dort sein Motorradgeschäft. "Bikershop Otto Triemer" steht auf dem Geschäftsschild. "Mein Vater hat uns immer die Haare geschnitten. Einmal hat er mich beinahe kahlgeschoren, und abend lief die Fernsehsendung ,Otto mit der Glatze'. Da hatte ich meinen Spitznamen weg, und später wußte kaum noch einer, daß ich eigentlich Diethelm heiße."


Am Geschäft steht der Spitzname
Deshalb setzte er auch bei der Geschäftseröffnung 1991 ("Jetzt kann ich endlich das machen, was ich immer wollte: an Motorrädern schrauben!") auf den Namen, unter dem ihn alle kennen. "Ich bin schon sehr sicher, daß meine sportlichen Erfolge mir bei meinem Beruf sehr geholfen haben", glaubt "Otto". "Ich liege hier zwar sehr abgelegen, habe bei meiner Kawasaki- und Aprilia-Vertretung aber einen Kundenstamm aus ganz Mecklenburg-Vorpommern." Die Firma hält ihn ganz schön in Atem. Woche für Woche steht er sechs Tage in der Werkstatt - inclusive sonnabends. Nur der Sonntag gehört der Familie. Und dann geht es ab und zu schon mal zum Bahnsport. "Beim Superligalauf in Wittstock waren wir dabei und haben noch guten Kontakt zum MC Güstrow. Aber wir sind nicht mehr aktiv im Clubgeschehen. Ich habe meine damalige Tätigkeit als Jugendtrainer 1992 eingestellt, und wir haben uns im Guten getrennt", schildert Triemer. Aber zu Pfingsten ist die Familie Stammgast bei den Großereignissen in Teterow und Güstrow - natürlich auch am vergangenen Wochenende. Dennoch reizt es ihn nicht mehr, selbst um den Ring zu fahren: "Wäre die Wende früher gekommen, hätte ich vielleicht 1988 nicht aufgehört. Die internationale Konkurrenz wäre für mich schon reizvoll gewesen. Aber ich habe einen Schlußstrich gezogen, und dabei bleibe ich." Volker Beier

Daten zu Diethelm Triemer
geboren: 23. Juli 1954 in Woltersdorf

Größe: 1,68 m

Gewicht: 65 kg (damaliges Wettkampfgewicht: 60 kg)

Beruf: Werkzeugmacher, heute Motorradhändler in Güstrow

Familienstand: verheiratet mit Birgit, Sohn Robert, Tochter Marie

Hobbys: Ab und zu zum Speedway

Wichtige sportliche Erfolge: 46 DDR-Meisterschaften, darunter einmal Trial (1973), sieben Speedway-Einzeltitel, drei Sandbahn-Einzeltitel, zweimal Goldhelmgewinner in Teterow (1978/1980), Gewinner des Bergringpokals (1979), dreimal Gewinner des "Goldenen Stahlschuhs" (1979 bis 1981) , Ostseepokalsieger 1982, Messepokalsieger.
Besondere Auszeichnung: "Verdienter Meister des Sports".

Quelle: Schweriner Volkszeitung
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